Zur Methode
Teamdynamik = soziale Dynamik in kreativen und produktiven Systemen
- eine Wirklichkeit für den, der in einem Team arbeitet oder mit anderen kooperiert
- eine Wissenschaft für den, der sich bemüht, die Zusammenhänge zwischen den Teammitgliedern zu erfassen, zu verstehen und zu beschreiben
- eine Methodik für den, der ein Team zusammenstellt, leitet, trainiert, moderiert, supervidiert oder systemisch aufstellt
Je nachdem, ob du Teammitglied, Teamforscher, Teamleiter oder Teamtrainer bist, handelt es sich um erlebte, erforschte oder angewandte Teamdynamik. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass du die Teamdynamik als Forscher und Anwender erlebst und gleichzeitig als Mitglied eines Teams von ihr betroffen bist.
Die Angewandte Teamdynamik geht auf den Bedarf an neuen, effektiven Interaktions- und Vermittlungsformen ein und versteht sich als sozio-kulturelle Innovation. Moderation und Inszenierungen sind ganzheitlich, systemisch, proxemisch, transgenerational und salutogenetisch ausgerichtet.
Teamdynamik ist ein Methodenbündel, mit dem wir moderieren und motivieren, Kommunikation, Kooperation und Integration unterstützen. Die Teamdynamik zeigt sich vor allem in Interaktionen, die sich spontan im Teilnehmerkreis entwickeln. Beziehungen werden räumlich und körperlich ins Bild gesetzt. Das fördert den persönlichen Austausch, die sozialen und emotionalen Kompetenzen, die Empathie und das Selbstbewusstsein sowie die wechselseitige Wertschätzung.
Räumlich-körperliche Konstellationen
(= Proxemik)
Das Besondere und Wirksame an der Angewandten Teamdynamik ist, dass sie die Gesetzmäßigkeiten der Proxemik erkennt und nutzt: die räumlich-körperlichen Konstellationen der anwesenden Personen. So wie Mimik, Gestik und Körperhaltung ist auch die Proxemik ein Teil der Körpersprache.
Proxemik hat vier Dimensionen:
Distanz
- Wie viel körperliche Nähe oder Distanz ist in einer bestimmten Situation angemessen?
- Handelt es sich um eine intime, persönliche, soziale oder öffentliche Distanz?
Augenhöhe
- Wer blickt auf wen herab?
- Wer schaut zu wem auf?
- Wer steht über wem?
- Wie stellt man „gleiche Augenhöhe“ her?
Ausrichtung
- In welche Richtung zeigen die Füße, der Körper, der Kopf?
- Wohin geht der Blick?
Berührung
- Welche Berührung passt?
- Handschlag, Schulterklopfen, Schulterschluss, Umarmung …?
- Welche Besonderheiten gibt es etwa bei helfenden und heilenden, lehrenden und leitenden Berufen?
Das proxemische Prinzip besteht darin, dass sich soziale und emotionale Beziehungen physisch, das heißt räumlich und körperlich, abbilden. Hier wirkt das ganz natürliche körpersprachliche Verhalten, das uns Menschen aber oft unbewusst bleibt. Durch eine vom Moderator bewusst gesteuerte Proxemik gelingt es, sozio-emotionale Beziehungen mit räumlich-körperlichen Konstellationen plastisch darzustellen, zu klären und anzuregen. Wir können die proxemischen Konstellationen einerseits wahrnehmen und interpretieren, andererseits auch arrangieren und wirken lassen.
Der Mensch im Mittelpunkt
Bei einem Trainingsteam von 10 bis 15 Teilnehmern kann die Kreismitte als Fokus der Aufmerksamkeit genutzt werden. Das heißt, der einzelne Teilnehmer stellt sich für seinen Beitrag, sein Statement oder sein Anliegen in die Mitte des Kreises.
Die Form des team-dynamischen Kreises unterstützt das persönliche Auftreten, Selbstwahrnehmung, Selbstdarstellung, Teamaufstellungen, Inszenierungen und spontane Rollenspiele. In einem Kohärenzfeld, das im Kreis entsteht, entwickeln sich Empathie und Selbstbewusstsein, die soziale und emotionale Kompetenz der Teilnehmer als Basis für effiziente Kooperation und Teamarbeit.
Es geht darum, nicht nur Einzelne miteinander in Beziehung zu bringen, sondern den Einzelnen aufs Ganze zu beziehen und im Hinblick auf das Gesamtergebnis zu verpflichten. Dazu muss der Teamdynamiker die systemischen und proxemischen Prinzipien im Team kennen, vor allem die aktuelle soziale Dynamik im System mit geschultem Blick erfassen.
Vier Methodenbündel
lassen sich in der Angewandten Teamdynamik unterscheiden. Daraus schöpft der Moderator situationsgemäß, frei und kreativ:
1. Kreis und Mitte
Interaktionen im Stuhlkreis, viele Variationen des Kreises, Kleinkreise, anberaumte Seitengespräche, Nutzung der Kreismitte als Bühne und sozialen Fokus
2. Platz und Position
Teamstruktur, Rangfolgen, Skalierungen und Teamaufstellungen mit Zusprüchen von Teilnehmer zu Teilnehmer. In Reihengesprächen trifft jeder auf jeden und geht mit ihm in den Austausch. Das fördert die
„omnilateralen Beziehungen“.
3. Systemische Inszenierungen
greifen zurück auf Elemente von bewährten szenischen Methoden wie systemische Aufstellung, Selbstdarstellung, Rollenspiel, Psychodrama, Spontantheater, Unternehmenstheater etc. Ein gemeinsames Prinzip dieser Methoden ist, dass jeweils ein persönliches oder soziales System in Szene gesetzt wird, um es zu veranschaulichen bzw. um anschaulich an ihm zu arbeiten
4. Integrative Übungen
ein spezifischer Fundus von kommunikativen und kooperativen Übungen, in denen sich die Teilnehmer in ihrer Unterschiedlichkeit zeigen und integrieren
Welche Methode, welchen Weg der Teamdynamiker einschlägt, welchen Schwerpunkt er setzt, wie er moderiert, interveniert, inszeniert und supervidiert, um einen Teambildungs- oder Entwicklungsprozess zu fördern und anzuregen, muss er in jeder Situation immer wieder neu entscheiden. Aufgrund seiner Erfahrungen und Eingebungen lenkt er spontan die Interaktion.
Der team-dynamische Prozess
Der Prozess motiviert und integriert die Teilnehmergruppe, so dass sie die interaktiven Übungen bereitwillig und gerne mitmachen und so den team-dynamischen Verlauf solidarisch mittragen und bereichern. Der Prozess läuft auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Gruppe, und jeder Teilnehmer erlebt auf der persönlichen Ebene einen eigenen Lern- und Lösungsprozess.
Die Teilnehmer sind darauf eingestimmt, dass der Moderator kein Programm abspult, keine Tagesordnung abarbeitet, keine Themen abhandelt, sondern dass ein eigenwilliger, vielschichtiger Prozess der Entwicklung und Qualifizierung stattfindet, der am Ende – aber erst am Ende – ein Ergebnis zeigen wird.
Der Moderator mag einen Übungskatalog im Hinterkopf, er mag Tools in seinem Werkzeugkoffer haben, aber er muss sich stets auf die spontan fließende Teamdynamik einlassen. Mit der nötigen Einfühlung und Durchsetzung wird er zur verbindenden, koordinierenden, gestaltenden Autorität.

Wenn der team-dynamische Prozess köchelt, sind die Teilnehmer zugleich die Köche und die Gekochten