Systemische Inszenierung
Bei einer systemischen Inszenierung wirken mit:
- der Moderator
gleich, wie er in seinem Veranstaltungsumfeld genannt wird: Inszenator, Regisseur, Spielleiter, Aufsteller, Trainer, Teamdynamiker - der Protagonist
der sein Thema einbringt: Fokusperson, Hauptperson, Hauptdarsteller, Klient, Fallbringer - die Stellvertreter
Darsteller, Mitspieler, Rollenspieler, Schauspieler, Repräsentanten - die beobachtenden Teilnehmer
Teilnehmer, die nicht in der Szene vorkommen, sitzen im Kreis drum herum und nehmen Plätze ein, auf denen sie den Ablauf gut verfolgen können. Sie bilden den wichtigen Resonanzkörper: die Zeugen, die Zuschauer, das Publikum, das Ensemble, das anwesende Team
Mit einer systemischen Inszenierung verfolgt man die Absicht, ein System mit Hilfe der anwesenden Personen räumlich-körperlich abzubilden und zum Leben zu erwecken, damit der Protagonist Aufschluss über seine Funktion, Position oder Situation erhält – etwa über unausgeglichene Beziehungen, verborgene Verstrickungen, nicht übernommene Verantwortung, nächste Schritte etc.
Der Protagonist soll durch einen emotionalen Prozess geleitet werden, an dessen Ende er freier, aufgeräumter, kompetenter dasteht und insgesamt stimmiger in sein System integriert ist.
Der Moderator nimmt Einfluss darauf, wie die Dynamik des Systems abgebildet und wahrgenommen wird. Aufgrund seiner Erfahrungen und Eingebungen lenkt er spontan den szenischen Ablauf. Dabei spielen eine wichtige Rolle:
- das in Szene gesetzte System
Ein anwesendes soziales System oder das nicht anwesende System eines Teilnehmers? - die dargestellte Systemebene
Familie, Paarbeziehung, Arbeitsbeziehung, Team, Firma, Verein, Körper etc. Werden eher Konstellationen, Situationen oder Interaktionen in Szene gesetzt? - die Auswahl der Systemelemente
Personen, Persönlichkeitsanteile, Körperteile, Organe, Organisationen, Ressourcen, Alternativen, Werte etc. Auch das Anliegen selbst ist ein Systemelement und kann aufgestellt werden. - die Stellvertretung
Welcher Teilnehmer steht für welches Systemelement? Wird auch der Protagonist vertreten? Wie lange wird er vertreten, ehe er sich selbst in die Szene einstellt? Oder steht jeder für sich selbst? - die räumliche Stellung
Wird sie vorgeschlagen oder von den Darstellern spontan eingenommen und verändert? Stellt der Protagonist zu Anfang sein inneres Bild auf? Welche Proxemik (Distanz, Augenhöhe, Ausrichtung, Berührung) zeigt sich in deutlichen Tendenzen oder feinen Nuancen?
- die passenden Worte
Werden sie vorgeschlagen oder improvisiert? Werden Lösungssätze oder Formulierungen vorgesprochen? Oder agieren die Teilnehmer schweigend? - die passenden Gesten
Welche Gesten, welche Körperhaltungen sind angemessen? Stehen, sitzen, knien, hocken oder liegen die Beteiligten? Gibt es eine Verneigung, Umarmung, Berührung, Segnung? Wer reicht wem wann und wie die Hände? - die passenden Requisiten
Wird die Szene plastischer, kurzweiliger durch kleine Dinge, die mitspielen? Tücher, Blumen, Kerzen, Kissen, Steine, wichtige symbolische Objekte? - der Szenenfluss
Langsame Bewegungen mit Stellungen, die angehalten und ausgeforscht werden, oder quirliges, spontanes Theater? Wann wird die Szene durch ein „Stopp“ angehalten? Dabei kommt es auf den Prozess an, den der Protagonist oder sein Stellvertreter durchläuft. - der Szenenschluss
Wie rundet sich die Szene? Wann wird unterbrochen, abgebrochen? Wann kann etwas so stehen bleiben?
Bei der systemischen Inszenierung ist es wichtig, dass nicht der Moderator seine persönlichen Absichten durchsetzt, sondern dass die im System innewohnenden Kräfte zum Ausdruck kommen und die verborgenen Tendenzen sichtbar werden. Der Moderator erhält Informationen und Hinweise unmittelbar aus der Szene und aus den Reaktionen der Teilnehmergruppe, er schöpft seine Ideen aus dem, was sich zeigt.